Im Artikel letzte Woche ging es um die Möglichkeiten für Entwickler als digitale Nomade. Die Idee selbstbestimmter zu leben und Dich zu verwirklichen steht dabei im Vordergrund. Da es aber gar nicht so einfach ist, Dich von den überlieferten Karrieremustern und Glaubenssätzen zu lösen, gibt es jetzt einen praktischen Ratgeber. Anders ausgedrückt: Hier lernst Du, wie Du Dir als Entwickler ein Online Business aufbauen und freier leben kannst.

Los geht’s, aber wohin?

Wohin geht die Reise?
Quelle: either way sign by Jocelyn Wallace, used under CC BY-SA

Bevor Du in eine Richtung rennen kannst, solltest Du in etwa Wissen in welche Richtung es geht. Und dazu gehört wirklich ein wenig Planung. Das sogenannte Bauchgefühl ist ein wichtiger Faktor, aber für sich allein genommen eben doch sehr unwirksam. Wenn Du in der Wüste ohne Wasser bist bekommst Du unweigerlich Durst. In der Verzweiflung wirst Du früher oder später mal nach links und dann nach rechts laufen. Einfach, weil sich das Bauchgefühl doch verändert hat. Wenn Du Dich selbst verwirklichen willst, musst Du wissen was das heißt. Dem gehen wir jetzt auf den Grund.

Finde Deine Leidenschaft?

Ich habe mich immer geärgert, wenn mir „Ratgeber“ sagen wollten ich müsste wissen wo meine Leidenschaft liegt. Denn der allgemeine Rat ist es genau die zu verfolgen. Es wird aber meist nicht gesagt wie Du die findest. Welche Fragen musst Du Dir stellen? Vielleicht darüber meditieren? Eine Kerze und Räucherstäbchen anstecken? Es gibt keine genaue Anleitung. Es ist nicht einmal klar definierbar, wie Du Deine Leidenschaft genau erkennst. Hast Du sie nun gefunden? Ziemlich unklare Aussagen, die mich nie vorwärts gebracht haben. Auch wenn im Kern viel Wahrheit darin steckt, hat es mich auf meinem Weg nur bedingt weitergebracht. Folge Deiner Leidenschaft ist der falsche Ratschlag. Deshalb möchte ich hier einen ganz anderen Weg empfehlen.

Du solltest lieber Deine Interessen verfolgen. Das war früher ganz besonders die OpenSource- und Unixwelt. In der logischen Folge wurde ich Systemadministrator. Ziel erreicht? Für eine gewisse Zeit, sicher. Ich konnte mit meiner (damaligen) Leidenschaft Geld verdienen. Aber es hat mich irgendwann weitergezogen. Ich wollte Webseiten und Webanwendungen nicht nur verwalten. Ich wollte auch beruflich aktiv an der Entstehung mitwirken. Also bin ich Webentwickler geworden. Als Angestellter habe ich wirklich die optimale Firma gefunden. Ich glaube nicht, dass die Rahmenbedingungen für Angestellte noch viel besser als bei code-x sein können. Trotzdem habe ich nebenberuflich immer wieder Dinge ausprobiert, Projekte gestartet und experimentiert. Dabei ging es auch um die Verwirklichung eigener Ideen.

Auch wegen der vielen Erwähnungen der „sogenannten Leidenschaft“ war ich nie absolut sicher, ob die Software-Entwicklung genau das Richtige ist. Vielleicht ist es ja auch das Laufen (ich gehe auch leidenschaftlich gern Joggen)? Oder andere Lebensbereiche? Vielleicht muss ich ein Startup gründen, um meine Leidenschaft ausleben zu können? Aus heutiger Sicht antworte ich darauf ganz entschieden mit einem Nein.

Ich habe aufgehört nach der Leidenschaft zu suchen. Ein großen Anteil daran hat das Buch So good, they can’t ignore you von Cal Newport. Er hat sich der Problematik anders genähert. Er hat untersucht, wie Menschen schließlich das was sie tun auch lieben. Dabei besuchte er Leute in unterschiedlichen beruflichen Feldern. Er kommt zu dem Ergebnis, dass auf jedem Gebiet erst harte Arbeit notwendig ist. Du musst erst bei einer Sache wirklich gut werden, die Dir und ggf. auch anderen von Wert ist. Die Leidenschaft für diese Tätigkeit ist die Folge davon, und nicht umgekehrt. Anders formuliert: Es ist viel weniger wichtig was Du tust. Es kommt darauf an, wie Du es tust.

Aus eigener Erfahrung spreche ich mich deshalb konsequent gegen die Empfehlung „Folge Deiner Leidenschaft“ aus. Egal ob Du Dich selbstständig machen willst oder Orientierung in Deiner Karriere suchst. Nimm etwas das Du gerne machst und werde richtig gut darin. Die „Leidenschaft“ dafür ist bestenfalls eine Folge davon. Ob eine momentane Leidenschaft Dich Dein ganzes Leben begleitet, weißt Du vorher nicht. Ob die anfängliche Begeisterung für etwas erhalten bleibt ebenso wenig.

Spezialisierung ist ein Muss

Sei kein Generalist, werde Spezialist! Es ist wirtschaftlich klug als Experte für eine spezielle Aufgabe zu gelten. Das gibt Dir Profil. Du musst Dich von einer großen Masse abheben. Das ist schwer, wenn gar nicht klar ist für was Du eigentlich stehst. Darum solltest Du Dir unbedingt eine Nische (noch so ein Klischee!) auswählen.

Wenn Du nun einfach als Software-Entwickler auftrittst, bist Du theoretisch „für alles zu haben“. Im englischen Sprachgebrauch nennt man solche Leute Jack of all trades mit dem Zusatz master of none. Du beherrscht also vieles, bist aber in der Folge auch nirgendwo ein echter Experte.

Im Endeffekt musst Du Dich und später auch Deine Produkte, klar positionieren. Simon Sinek hat in seinem Buch Start with why den Satz People don’t buy what you do, they buy why you do it geprägt. Und genau so ist es. Wenn Du nur ein Name von vielen bist, gehst Du in der Masse unter. Es ist viel einfacher wenn Du stattdessen bspw. als Anwendungsentwickler für C#, PHP-Webentwickler, Webentwickler mit HTML/CSS oder JavaScript-Guru erkannt wirst.

Die richtige Schnittmenge aus Interesse und Nachfrage

Es gibt zwei Arten von Menschen in der Fachwelt. Die erste Gruppe sucht nach einer Arbeitsstelle. Die zweite Gruppe sucht nach einer Aufgabe. Personen in der ersten Gruppe haben ihr Ziel erreicht, wenn sie einen Job finden. Für die zweite Gruppe geht es dann erst richtig los! Und genau so solltest Du auch denken. Stell Dir die Frage ob die Beschäftigung eine Aufgabe ist, oder einfach nur irgendeine Arbeit. Das hat nichts mit Leidenschaft zu tun. Es geht viel mehr um das Gefühl, die Motivation und den Drang etwas zu erreichen.

Dein Interesse steht bewusst im Vordergrund. Es hilft nicht Geld mit etwas zu verdienen, dass Dir keinen Spaß macht. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Immerhin muss jemand auch bereit sein, Dich für Deine Arbeit zu bezahlen. Da es hier aber um Software-Entwickler geht, ist die Chance dafür wirklich hoch. Du musst nur die passende Schnittmenge aus Deinen Interessen und Nachfrage am Markt finden. Zu konkret und Du engst Dich und Deinen möglichen Markt zu sehr ein. Zu breit gefasst und die rückst von der Spezialisierung ab.

Es ist hilfreich, wenn Du einfach auf dem Gebiet Deiner Wahl recherchierst. Welche Dienstleister gibt es? Was bieten diese an? Wie lange sind diese Firmen bereits am Markt? Vielleicht kannst Du auch Werbung der Unternehmen entdecken? Auf welche Suchbegriffe wurden die Webseiten optimiert? Und so weiter. Lern Mitbewerber kennen. Gerade als Dienstleister wirst Du kaum die große Innovation schaffen. Im Gegenteil. Gerade wenn Du ein erstes Standbein suchst, solltest Du einen Markt wählen der bereits aktiv ist. Disruptive Innovation is for startups :).

Start smart

Start smart!
Quelle: (Explore) by Marius Brede, used under CC BY-SA

Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch, oder sogar ganz besonders, für ein Leben als Unternehmer. Wenn Du Dich selbst finanzierst (was ich unbedingt empfehle) musst Du die Limitierungen zu Deinem Verbündeten machen. Wenig Geld bedeutet auch cleverer Umgang mit dem was da ist. Wenig Zeit? Konzentrier Dich auf das Wesentliche. Hier ein paar Tipps für den nachhaltig erfolgreichen Start.

Ein finanzielles Polster

Die Aussicht auf den Wechsel in die Selbstständigkeit ist eine große Motivation. Die solltest Du unbedingt nutzen und Dir ein finanzielles Polster aufbauen. Gerade zu Beginn kann es durchaus vorkommen, dass nicht dauerhaft Aufträge kommen. Oder Du bist erst kurz vor Ende des Monats mit einem Projekt fertig. Der letzte Abschlag kommt erst nach Monatsbeginn. Nur in Ausnahmefällen überweist ein Unternehmer eine Rechnung unmittelbar. Sicher, man kann darum bitten oder dies absprechen. Du solltest aber in der Planung lieber 1-2 Wochen einrechnen.

Außerdem kann es auch sein, dass ein Kunde die Rechnung mal verspätet oder gar nicht zahlt! Davor bist Du leider nicht zu 100% geschützt. Gute Erfahrungen habe ich mit einer Anzahlung von 40-50% bei Neukunden gemacht. Die Ausrede das ginge nicht, da die Arbeiten unglaublich dringend sind und am besten gestern fertig sein sollten, gilt in Zeiten von PayPal nicht mehr.

Wie viel hängt natürlich ganz von Dir ab. Ich empfehle Dir wo es geht den Lebensstil auf Minimalismus zu reduzieren. Das gibt Dir gerade in der Anfangszeit später mehr Freiheit. Je weniger Geld Du brauchst, desto besser. Insgesamt sollten Deine laufenden Kosten gedeckt werden. Auch hier solltest Du sinnvoll wirtschaften. Versuch mögliche Schulden abzubezahlen und reduzier die Fixkosten. Noch eine Empfehlung: kündige Deinen Dispokredit. Du brauchst ihn nicht. Wirklich nicht. Das auszuführen sprengt den Rahmen, aber zum Einstieg empfehle ich Dir unbedingt Rich dad, poor dad von Robert T. Kiyosaki zu lesen.

Nebenberuflich starten

Im Idealfall bist Du vielleicht noch Student, hast nahezu keine laufenden Kosten und bereits ein kleines Polster angespart. Glückwunsch! Dann kannst Du direkt durchstarten und zum Amt gehen. Meld Dein Gewerbe an und beginn Dich und Deinen Traum zu verwirklichen. Die Realität sieht meist aber etwas anders aus.

Wenn schon laufende Kosten existieren und Du einige Zeit im Hamsterrad hinter Dir hast, gibt es nur eine Chance. Du musst Dir neben dem Beruf etwas aufbauen. Das klingt hart, ist aber möglich. Ich spreche aus Erfahrung. Die Kinder brauchen Deine Aufmerksamkeit? Vielleicht sogar bis 20/21Uhr? Steht um 5 Uhr auf. Du gewinnst zwei Stunden Arbeitszeit morgens. Auch am Wochenende bleibt Zeit, um etwas aufzubauen. Ich weiß wie hart das manchmal ist. Am Ende zählt aber der Wille.

Die Frage ist auch was Du eigentlich starten solltest? Ich würde, wie im letzten Artikel über digitales Nomadentum angesprochen, mit dem Freelancing zur Sicherung der Existenz beginnen. Du kannst damit Rechnungen zahlen und später Engpässe überwinden. Aufträge lassen sich in vielen Bereichen erstaunlich schnell finden. Das kann den Unterschied zwischen Essen und Stromrechnung bedeuten.

Freelancing als erstes Standbein

Viele digitale Nomaden arbeiten zusätzlich als Freelancer. Es geht ja auch gar nicht darum nicht mehr zu arbeiten. Die Idee ist viel mehr selbst die Spielregeln zu bestimmen. Und das kannst Du als Freelancer wirklich gut. Natürlich ist der Kunde König. Aber Du bestimmst, ob Du jetzt eine Stunde die Sonne nutzt, die Mittagszeit zum Schlittenfahren verwendest oder Deine Kinder von der Schule abholst.

Gleichermaßen ist es auch eine optimale Vorbereitung auf Deine Selbstständigkeit. Die Frage ist nur, wo die ersten Kunden herkommen sollen? Es gibt natürlich immer die Empfehlung den Bekanntenkreis und vorhandene Netzwerke zu nutzen. Aber das liegt ohnehin ziemlich auf der Hand. Hier eine Liste mit deutschsprachigen Projektbörsen, die in vielen Bereichen Aufträge vermitteln:

Mehrere Plattformen sind eher auf die klassischen Freiberufler ausgerichtet. Für den Start würde ich zum Beispiel Twago aus eigener Erfahrung empfehlen. Denn da findest Du vor allen Dingen kleinere Projekte, die nicht vor-Ort umgesetzt werden. Am Ende solltest Du hier nicht versuchen der günstigste zu sein. Versuch einfach Dich und Deine Leistung mit guten Angeboten fair anzubieten. Ich habe hier sehr gute Erfahrungen gemacht und auch Kunden gefunden, die mich bis heute begleiten und fair bezahlen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung suchen Unternehmer dort eben nicht nur die günstigsten Dienstleister aus.

Produkte und Projekte nebenbei aufbauen

Das Ziel ist es mittelfristig unabhängiger zu werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Und das geht auch nur dann, wenn Du ein weiteres Standbein aufbaust. Finanzielle Unabhängigkeit kannst Du auf vielen Wegen erreichen. Das Grundprinzip ist jedoch immer das gleiche. Du musst Einnahmequellen erschließen, die ohne Deine ständige Aufmerksamkeit funktionieren.

Dazu gehören bspw. Bücher, Videotrainings oder sonstige Angebote die Du erstellen kannst. Ich kenne mehrere Entwickler, die zum Beispiel sehr erfolgreich kommerzielle Plugins für Systeme wie WordPress oder Magento anbieten. Du kannst auch Themes entwerfen und verkaufen. Ein tolles Beispiel dafür ist elmastudio.de. Vielleicht hast Du Ideen für Apps? Los geht’s! Oder Du hast eine Idee für eine SaaS-Plattform? Auch das ist für Entwickler mit etwas Unterstützung kein Problem. Schauen wir uns die Möglichkeiten einfach mal an.

Ich verwende bewusst nicht den Begriff passives Einkommen, da es durchaus Arbeit ist Kunden zu betreuen, Fragen zu beantworten und Probleme zu lösen die über den Kurs hinaus gehen. Trotzdem ist es ein Unterschied, ob ich 8 Stunden in einem Büro anwesend sein sollte, oder ob ich freier über meine Zeit bestimmen kann.

eBooks schreiben

Ein relativ einfacher Einstieg kann mit eBooks gelingen. Da geht es speziell um Ratgeber und Fachbücher, die Du als Selfpublisher veröffentlichst. Mit einem Verlag kannst Du Dich ggf. einfacher positionieren, aber die Aussichten auf nachhaltige Einnahmen aus den Buchverkäufen sind eher gering. Toll ist, dass Du nicht nur Geld verdienen kannst. Du positionierst Dich auch gleichzeitig als Experte auf Deinem Fachgebiet. Allerdings ist natürlich immer der Nutzen für die Leser im Vordergrund. Frag Dich bei einem möglichen Titel nicht wie viel Geld Du verdienen kannst. Orientier Dich eher an dem Mehrwert den Du bieten kannst. Geld ist einfach nur die logische Folge.

Zugegeben müssen die Bücher natürlich geschrieben werden. Aber es geht auch nicht darum eine Abkürzung zu nehmen. Wenn Du wirklich erfolgreich sein willst, musst Du bereits sein dafür zu arbeiten. Ich kenne persönlich niemanden der mit seinem Business durch die Decke geht und am Ende dafür nichts tun muss. Der Mythos von der 4-Stunden Woche ist eher ein gedanklicher Ansatz bei der Strukturierung von Unternehmen. Und selbst wenn dies Dein Ziel ist, entsteht ein solches Konzept nicht von heute auf Morgen. Success ist 10% inspiration and 90% perspiration.

Im Endeffekt hast Du zwei Möglichkeiten. Du kannst die Bücher komplett über Deine eigenen Kanäle vertreiben. Wenn Du echten Mehrwert bietest und Probleme Deiner Leser tatsächlich lösen kannst, hast Du hier die Chance auf eine höhere Marge. Preise für solche eBooks sind bspw. gern 27€, 37€ oder auch 47€ und mehr. Es hängt immer vom Wert ab, der Dir geboten wird. Ein Kochbuch als „nice-to-have“ wird immer weniger kosten als eine Ressource, die echte Probleme löst (painkiller). Dazu gehören bspw. Ratgeber über die Themen Abnehmen, das Rauchen aufgeben oder auch geschäftlich erfolgreich(er) zu sein.

Ein tolles Beispiel und gleichzeitig eine Empfehlung an Dich ist das Affenbuch von Vladislav Melnik. Er betreibt das affenblog.de und zeigt Dir in seinem Buch, wie Du mit einem Blog seriös Geld verdienen kannst. Dabei geht es immer darum für Dich und Deine Leser eine WIN-WIN Situation zu schaffen. Das Buch war auch sein erstes Produkt.

Eine Alternative ist die Vermarktung über Plattformen wie den Amazon Kindle. Auch das kann durchaus sinnvoll sein. Der Verdienst und die Preise sind hier allgemein geringer. Allerdings ist Amazon mittlerweile viel mehr als nur ein Buchladen. Du kannst dort mit geschickt platzierten eBooks auch neue Leads für Dich und Dein Business generieren.

Onlinekurse anbieten

Ergänzend zu Büchern kannst Du Onlinekurse anbieten. In den USA und im englischen Sprachraum sind die Benutzer einen Schritt weiter. In Deutschland setzt sich dieses Format gerade erst durch. Es gibt mittlerweile für ganz viele Bereiche Onlinekurse. Das geht von Yoga, über Kochen, Stricken, Hundeerziehung und natürlich auch rund um IT-Themen. Wenn Du Dich positionieren willst, sind Videotrainings ebenso ein Baustein auf dem Weg dahin.

Auch hier gibt es die Wahl zwischen der vollständigen Selbstvermarktung oder der Nutzung anderer Plattformen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich hier von ganzem Herzen Udemy empfehlen. Du hast dort ähnlich wie bei Amazon eine Plattform, auf der bereits nach entsprechenden Themen gesucht wird. Die Chance entdeckt zu werden ist gerade für Einsteiger viel höher.

Genau wie bei einem eBook solltest Du aber nur die Themen abdecken, bei denen Du echten Nutzen bieten kannst. Es hilft nicht einfach den 10. Kurs zu einem Thema anzubieten, wenn darin keine neue Perspektive oder Idee zu erkennen ist. Versuch Dich nicht auf den möglichen Verdienst zu konzentrieren. Wichtig ist der Nutzen für Deine Studenten. Geld ist einfach nur die logische Konsequenz.

Die Möglichkeit mit solchen Produkten Geld zu verdienen klingt für Dich verwerflich? Ist sie aber nicht. Es kostet wirklich eine Menge Zeit und Herzblut vernünftige Kurse zu produzieren. Außerdem musst Du auch später Zeit investieren, Inhalte erweitern, überarbeiten und auch Deinen Studenten helfen. Das kostet alles Zeit, Zeit in der Du nicht an Aufträgen arbeitest. Darum ist es nur fair, wenn Du dafür entlohnt wirst.

Walt Disney hat das mal schön ausgedrückt: Wir machen keine Filme um Geld zu verdienen. Wir machen Filme, um noch mehr Filme drehen zu können.

Apps entwickeln

Eine gute App kann eine interessante Einnahmequelle sein. Die nächste „Millionen Dollar Idee“ umzusetzen wäre toll, allerdings bist Du nicht der Einzige auf der Suche nach Gold. Die Firma Rovio hat vor dem Erfolg mit Angry Birds 51 (!) Spiele entwickelt, die nicht erfolgreich waren. Deshalb solltest Du die Realität vor Augen behalten.

Es ist heute nicht mehr so schwierig die Apps umzusetzen. Jeder kann theoretisch von heute auf Morgen mit einer Idee beginnen. Selbst wenn Du gar nicht Programmieren kannst, kannst Du Geld in die Hand nehmen. Die Herausforderung ist es aus der Maße heraus zu stechen und gefunden zu werden. Ein viraler Hit hat nicht nur etwas mit Glück zu tun. Du solltest vor allen Dingen auch viel Ahnung von Marketing haben.

Ich möchte damit gar nicht entmutigen, einfach nur auf die schlechten Chancen hinweisen. Deine Zeit kostet ggf. nicht unmittelbar Geld. Allerdings darfst Du auch „Opportunity Costs“ nicht ausblenden. In der Zeit, wo eine fehlgeschlagene entwickelt wird, könntest Du ggf. ein eBook oder einen Onlinekurs umsetzen.

Ich persönlich finde es auch nicht befriedigend, wenn ich Apps erstelle um dann Werbung einzublenden. Es müsste schon etwas nachhaltiges geschaffen werden. Und in der Regel kannst Du so umfangreiche Lösungen als Einzelgänger gar nicht umsetzen. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Ich entwickle Apps total gerne, mache dies aber heutzutage eher im Auftrag für andere.

Kommerzielle Erweiterungen & Themes

Vielleicht hast Du Dich als Freelancer bspw. auf Typo3, WordPress, Magento, Shopware oder ähnliches fokussiert? Die Chance besteht, dass Du kommerzielle Erweiterungen entwickeln und verkaufen kannst. Tolles Beispiel ist WPSeo im WordPress-Umfeld. Es kostet viel Zeit eine umfangreiche Extension zu erschaffen und weiterzuentwickeln. Das funktioniert hauptberuflich einfach besser. Darum ist es total in Ordnung Dich ggf. in dieser Hinsicht umzusehen.

Gleiches gilt für kostenpflichtige Themes. Die kannst Du bspw. über Themeforest vertreiben, vorausgesetzt Du kannst wirklich interessante und hochwertige Lösungen anbieten. Die Möglichkeiten sind eigentlich fast unbegrenzt. Das Potential wird sogar nicht größer, weil bei kleinen und mittleren Projekten der Wunsch nach dem individuellen Design abnimmt. Immerhin kostet das inkl. der Umsetzung schnell mehrere Tausend Euro und aufwärts. Da Abwechslung immer gefragt ist, kannst Du hier vielleicht zusammen mit einem Designer einsteigen.

Saas-Projekte

Software as a Service war eine ganze Zeit lang das Schlagwort überhaupt. Der Hype war groß und viele Anbieter wollten gerne auf den Zug aufspringen. Nachdem sich dieses Modell etabliert hat, sind zum Beispiel Anbieter wie Fastbill.de geblieben. Hier bekommst Du Software für die Buchhaltung bereitgestellt, als Dienst im Webbrowser. Du installierst keine Software mehr, musst Dich nicht um Updates oder um die Sicherung der Daten kümmern. All das wird für Dich übernommen.

Naturgemäß habe ich jetzt kein Konzept für Dich bereit, mit dem Du einfach durchstarten kannst. Hier geht es langsam auch eher in die Richtung Startup. Wichtiger als die Programmierung ist auch das Konzept dahinter. Zu dem Thema kann ich Dir als weitere Lektüre das Buch Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin empfehlen. Noch näher an der Realität von digitalen Nomaden sind die Bücher der Conta Grombergs über Smart Business Concepts und den Erfolg als Solopreneur.

Ideen ausprobieren und validieren

Egal was Du auch tust. Du kommst keinen Schritt vorwärts, wenn Du nicht einfach loslegst. Kein Business Ratgeber, kein Buch, kein Onlinekurs und kein Webinar wird daran etwas ändern. Ich habe selbst lange nach der Geheimformel, einer Abkürzung oder der magischen Zutat gesucht. Die gibt es nicht. Einfach ehrliche Arbeit, Ausdauer und den Drang Dinge auszuprobieren. Wenn es nicht klappt, hast Du im schlimmsten Fall etwas dabei gelernt.

Viele verfolgen Stur den Weg, nur wenige verfolgen Stur das Ziel. Ich kann Dir nur empfehlen zur Tat zu schreiten und selbst Erfahrungen zu sammeln. Lesen und Bildung sind wichtig und eine gute Inspiration. Ich bin selbst großer Fan. Nur sind sie eben auch nicht mehr als das. Selbst die beste Idee ist nicht viel Wert, wenn Du sie nicht umsetzt.

Es gibt immer wieder Leute, die behaupten sie hätten die gleiche Geschäftsidee wie das Startup xyz gehabt. Das ist aber überhaupt nichts wert. Sie haben xyz nicht erfunden, denn sie haben nicht gehandelt.

Work smart

Work smart
Quelle: fotolia.com

Unternehmer werden ist der erste Schritt. Es zu bleiben ist die zweite Herausforderung. Immerhin möchtest Du ja die gewonnene Freiheit nicht wieder aufgeben, oder? Dazu gehört nicht nur harte Arbeit. Auch geschickter Umgang mit Deinem Business sind wichtig. Also: work smart gilt genauso wie work hard.

Mehrere Konten verwenden

Wenn Du schließlich weißt in welche Richtung Du willst, solltest Du Dich finanziell vorbereiten. Ein Puffer ist aus oben genannten Gründen wichtig. Mit dem Geld richtig umzugehen ist ein weiterer wichtiger Schritt. Aber was bedeutet das eigentlich? Einfach nur sparsam sein? Jeden Cent zweimal umdrehen? Sicher auch. Aber mit der richtigen Methodik kannst Du einige Probleme gleich im Vorfeld vermeiden. Aus eigener Erfahrung kann ich mehrere Konten empfehlen.

Es gibt verschiedene Ansätze, bspw. die Arbeit mit zwei, drei oder auch vier Konten. Wichtig ist, dass Du genau trennen kannst. Ich selbst nutze vier Konten, wobei aber jeweils zwei Tagesgeldkonten sind. Es geht darum die Finanzen direkt aufzuteilen:

  • privater Konsum, Lebensmittel, usw.
  • private Rücklagen
  • berufliches Girokonto (laufende Ausgaben, Geldeingang, usw.)
  • berufliche Rücklagen

Das kannst Du natürlich nach belieben erweitern. Manche Menschen unterteilen bspw. die privaten Rücklagen noch weiter. Du kannst auch für berufliche Rücklagen und zu zahlende Steuern zwei getrennte Konten machen. Wichtig ist nur, dass Du den Überblick hast.

Productized Services

Selbst wenn Deine Produkte später sehr erfolgreich sind, musst Du Deine Dienstleistungen nicht beerdigen. Immerhin hast Du da eine Einnahmequelle, die weiterhin Erträge erwirtschaften kann. Allerdings kannst Du (auch schon vorher) strategischer Vorgehen. Productized Services sind zu einem Buzzword geworden. Dabei werden wiederkehrende Aufgaben einfach als pauschaler Preis als Produkt angeboten.Das kann eine Basisversion einer Webseite mit einer definierten Anzahl von Unterseiten sein, als Designer kann es das Firmenlogo mit einer definierten Anzahl von Anpassungen sein, usw. Noch wichtiger als der Preisfaktor: Es werden dafür wirklich Prozesse erschaffen, die nicht jedes mal wieder neu erdacht werden müssen. Das spart Dir Zeit, gibt Planungssicherheit und ermöglicht auch einzelne Teile dieser Prozesskette einfach auszulagern.

Der große Vorteil ist nicht nur die Planungssicherheit für Dich. Wenn fest definierte Anforderungen existieren, kannst Du Prozesse schaffen und die Arbeiten selbst auslagern. Du bist also auf Dauer eher Unternehmer und Vermittler als Fachkraft. Aber auch für Dich selbst ist es viel angenehmer genau zu wissen, was gefordert ist. Du musst nicht mehr für jeden Auftrag separate Angebote erstellen, Dich in die Aufgabe einlesen und ähnliches.

Bau Dir ein Netzwerk auf

Du brauchst in jedem Fall ein Netzwerk und Kontakte zu anderen. Ich bin um ehrlich zu sein eher introvertiert und gehe gar nicht so leicht auf andere Menschen zu. Ich beherrsche Smalltalk nur schlecht. Ich höre einer Person eher zu und lerne sie kennen, bevor ich sie einschätzen kann. Nicht die besten Voraussetzungen für Networking-Veranstaltungen. Hier kommen soziale Netzwerke wie Facebook, Xing und so weiter zur Hilfe! Such Dir passende Gruppen, Foren oder Kontakte. Tausch Dich mit den Leuten aus und bleib in Kontakt. Auch Veranstaltungen können ein Weg sein, um gleichgesinnte zu suchen.

Und dabei geht es nicht nur darum als Entwickler viele andere Entwickler kennenzulernen. Eine absolute Empfehlung sind Mastermind Treffen. Du triffst Dich mit Leuten die ein ähnliches Ziel verfolgen. Die müssen gar nicht den gleichen Weg gehen. Vielleicht ist der eine Designer, ein anderer kümmert sich um Marketing. Wieder jemand anderes ist Systemadministrator und ein anderer Teilnehmer kümmert sich um die Typo3-Installation anderer Unternehmen. So entsteht eine schlagkräftige Sammlung von Wissen. Da kannst Du Dich allgemein über das Business austauschen, Dein eigene Wissen einbringen und Feedback aus anderen Blickwinkeln auf Deine Ideen erhalten. Absolut wertvoll.

Marketing, für Dich und Deine Angebote

marketing
Quelle: fotolia.com

Damit Du gefunden wirst und Menschen Dir vertrauen, musst Du Marketing betreiben. Das hat nichts mit zweifelhaften Praktiken zu tun. Es gibt unseriöse Beispiele, aber die solltest Du nicht als Maßstab betrachten. Wird nur heiße Luft verkauft kann mit einem passenden Budget die Kurve steil nach oben gehen. Allerdings fällt sie auch genauso schnell wieder ab. Hier einige Wege, die nachhaltig zum Erfolg führen.

Content Marketing, the right way

Das Wort Content Marketing wird bis heute noch nicht überall richtig verstanden. Ich bin eher Entwickler, aber der gesunde Menschenverstand legt nahe worum es geht. Die Idee ist einfach, wenn Du den klassischen Weg verstehst. Eine große Firma wie Cola und Co. versuchen Dich auf den unterschiedlichsten Kanälen zu erreichen. Durch die ständige Präsenz wird irgendwann die Marke auch als solche wahrgenommen. Ich bin wirklich kein Experte für Markenbildung, aber so in etwa ist die Theorie. Der springende Punkt: Du hast von der Werbung wirklich überhaupt nichts. Sie bietet in der Regel keinen Mehrwert, sondern informiert Dich. Kaufe jetzt, spar jetzt Geld, beeil bevor es zu spät ist, mach mit weil alle es machen. Das sind in der Regel die Botschaften.

Statt bei den Menschen durch ständige Werbung für Dich zu werben, kannst Du auch durch Leistung glänzen! Du gibst bspw. kostenlose eBooks zu einem Thema oder stellst kostenlose Kurse zur Verfügung, so wie ich dies hier auf codingtutor.de auch mache. Um nun Interessenten zu erreichen, kannst Du für diese Angebote natürlich auch kostenpflichtig werben. Das Konzept dahinter ist nur völlig anders. Denn hier steht der Kundennutzen im Vordergrund. Und der ist auch gegeben, wenn er er nie wieder mit Dir und Deinem Business in Kontakt kommt.

Das Ziel ist es einfach Vertrauen zu schaffen und eine Kostprobe Deiner Leistungen zu geben. Und da geht es nicht um Täuschung oder künstlich weniger Informationen bereitzustellen. Die kostenlose Version kann bspw. wie bei mir der 7-tägige Grundkurs sein. Das Training für fortgeschrittenere Software-Entwicklung ist dann nicht mehr komplett kostenlos.

Das Konzept ist auch gar nicht neu. Vorreiter ist die Firma John Deere. Die geben schon lange ein Magazin heraus, um in Ihrer Zielgruppe für sich zu werben. Heutzutage gibt es halt noch viele weitere Kanäle, wie eBooks, Podcasts, Videotrainings und so weiter. You name it.

Starte ein Weblog

Ein Blog selbst ist noch kein Business. Es ist viel mehr ein Marketingkanal. Das Business entsteht aus Produkten, die Du für die Zielgruppe erschaffst und anbietest. Ist das verwerflich? Ganz sicher nicht! Eher im Gegenteil. Warum nicht lieber praxisnahes Fachwissen und Support von einem Experten erwerben, ihn dabei unterstützen sich selbst zu verwirklichen und noch bessere Angebote in der Zukunft zu schaffen?

Das Marketing über ein Blog ist ein erster Schritt und später ein wichtiger Baustein im richtigen Marketingmix. Du kannst zum einen auf Besucher aus der Googlesuche hoffen. Außerdem kannst Du auch bezahlten Traffic über Google Adwords, Facebook und Co. auf Dein Blog leiten und Deine Bekanntheit steigern. Dazu könnten eigene Bücher geschrieben werden und soll hier gar nicht so sehr ins Detail gehen. Viel wichtiger ist, dass ein Blog Dich bekannter macht. Es kann sogar ganz unerwartete Folgen haben. So ist bspw. der Rheinwerk Verlag nur durch codingtutor.de auf mich aufmerksam geworden. Ebenso hat mich Udemy angeschrieben und vorgeschlagen, dort Kurse anzubieten. Und wer weiß, welche Optionen sich noch ergeben.

Gastartikel schreiben

Ein Gastartikel ist eigentlich nur ein Artikel in einem fremden Blog. Die Idee wurde lange Zeit mißbraucht, um mit weitestgehend simplen Texten Linkaufbau zu betreiben. Der Backlink hier ist zwar natürlich immer noch toll. Viel wichtiger ist es aber den Besucher auf Dich und Dein Business aufmerksam zu machen. Die Links werden also nicht mehr für Suchmaschinen platziert, sondern um Mitglieder aus der Community des anderen Blogs auf Deins zu führen.

Damit kannst Du eigentlich nicht früh genug anfangen. Denn es ist auch ein toller Weg um andere Menschen in Deiner Nische kennenzulernen, neue Kontakte aufzubauen. Und das ist mindestens genauso wichtig. Vielleicht kannst Du in Zukunft anderen helfen? Inhalte aus Deinem Netzwerk promoten und dort unterstützen? Leg den Fokus darauf andere erfolgreicher zu machen. In irgendeiner Form kommt das bestimmt zu Dir zurück.

Webinare geben

Du kannst auch über Webinare auf Dich und Deine Produkte aufmerksam machen. Ich bin in letzter Zeit etwas von abgerückt, da ich oft das Gefühl hatte eine Kaffeefahrt an meinem Schreibtisch gebucht zu haben. Es ist OK wenn am Ende auf ein weiterführendes Angebot hingewiesen wird. Allerdings ist die Stunde, die sich jemand nimmt, auch sinnvoll zu füllen. Wenn Webinare, dann mit wirklichem Mehrwert und ehrlich gemeinten Inhalten.

Leider ist es nicht unbedingt günstig. Die Software dafür kostet monatlich nicht unerheblich wenig Geld. Zumindest für den Anfang für ich daher Alternativen empfehlen. Bau Dir einfach weitere Referenzen auf.

Schreib Artikel für Magazine

Zum Beispiel kannst Du für etablierte Zeitschriften und Magazine Artikel schreiben. Du verdienst dabei Geld und kannst unter Umständen häufiger etwas dazu verdienen. Du wirst damit sicherlich nicht reich, solltest aber immer den werbenden Effekt mit einkalkulieren. So kannst Du Deinen Namen bekannter machen.

Das klingt vielleicht etwas abgezockt, aber genauer Betrachtet wirklich eine Win-Win-Win Situation. Der Verlag muss Fachtexte einkaufen, um praxisnahes Wissen berichten zu können. Der Leser bekommt einen redaktionell überarbeiteten Artikel geliefert, für den er anteilig am Gesamtpreis nur relativ wenig Geld bezahlt hat. Und Du als Autor bekommst etwas Geld und Aufmerksamkeit für Deinen Namen.

Eine ökonomische Grundregel besagt, dass ein Geschäft nur immer dann gut ist, wenn alle Seiten davon profitieren. Diese Vorgabe ist hier also mehr als erfüllt.

Tritt als Redner auf

Persönliche Erfahrung habe ich hier erst in ganz bescheidenem Rahmen. Das Engagement möchte ich in Zukunft noch verstärken. Denn es hilft Dir in verschiedener Hinsicht bekannter zu werden. Außerdem kannst Du vielleicht spannende Konzepte und Ideen einem größeren Publikum vorstellen. Die Menschen hören Dir zu. Du bekommst eine Stimme. Das verleiht Dir Autorität. Daher ist es ein toller Ansatz, den Du ebenfalls verfolgen kannst.

Hilfreiche Prozesse und Angewohnheiten

Quelle: (Explore) by Marius Brede, used under CC BY-SA
Quelle: Gears by Thomas Claveirole, used under CC BY-SA

Ich werde häufiger mal nach den Tipps für Tools gefragt, welchen Browser ich verwende oder mit welcher IDE ich arbeite. Das ist zwar legitim, eine passende Software zu verwenden macht Dich nicht zum Entwickler. Leg den Fokus lieber darauf, die richtigen Prozesse zu schaffen, die richtigen Angewohnheiten auszubauen und falsche abzulegen. Gerade wenn Du ein Business später automatisieren möchtest, sind die richtigen Abläufe besonders wichtig.

Tools sind nur Werkzeuge

Ich möchte daher gar nicht zu sehr auf einzelne Tools eingehen, die ein Entwickler als Unternehmer unbedingt benötigt. Da hat jeder seinen eigenen Geschmack und seine Vorlieben. Es gibt für die meisten Probleme und Aufgaben heute mehrere Lösungen. Mit welcher Du am besten klarkommst, musst Du für Dich ausprobieren. Vielleicht wirst Du sogar belächelt, weil Du das ein oder andere Tool in der Premiumvariante abonniert hast. Am Ende solltest Du Dich davon aber nicht irritieren lassen. Probieren geht über studieren.

Unterteil Deinen Arbeitstag

Als erstes würde ich empfehlen, dass Du Deinen Arbeitstag von Beginn an unterteilst. Egal ob Du nebenberuflich startest oder bereits selbstständig bist. Dein Tag wird nie ausreichen, um alle Ideen umzusetzen. Hinzu kommen dann auch noch weniger spannende Aufgaben, die auch Zeit kosten. Dabei meine ich nicht statisch jeden Tag minutiös in einem Kalender zu planen. Es geht viel mehr darum, für alles was nicht unmittelbar wichtig ist den Blick zu behalten. Ein Beispiel.

Ich betreibe dieses Blog (von Herzen gern!), biete Kurse an, schreibe eBooks und arbeite an Kundenprojekten. Außerdem betreibe ich meinen YouTube Kanal. Um all diese Aufgaben zu erledigen, kann ich nicht mal einen Tag dies, dann den nächsten Tag das machen. Stattdessen habe ich kleine Karteikärtchen. Aufgaben die ich täglich umsetzen will, stehen direkt vor mir. Sobald ich sie erledigt habe, drehe ich sie für den Tag um. Das sind:

  • min. 500 Wörter für einen Blogartikel
  • min. 500 Wörter in einem eBook
  • min. 1 Stunde Korrespondenz
  • min. 4 Stunden Arbeit an einem Kurs o. Kundenprojekt

Zusätzlich habe ich noch einen Booster, der immer greift wenn ich wirklich alles geschafft habe:

  • Arbeit an einem neuen YouTube Video
  • 1h Todolist Sprint

So komme ich an allen Fronten vorwärts, ohne das Gefühl irgendwas zu vernachlässigen. Das habe ich schon so gemacht, als ich nebenberuflich gearbeitet habe. Da standen allerdings andere Punkte auf den Zetteln.

Aufgaben verwalten

Die täglichen Punkte verwalte ich bewusst auf Papier und nicht in einer Todoliste. Für alles andere nutze ich eine Software. Es ist sonst gar nicht möglich den Überblick zu behalten. Ich empfehle Dir, dass auch zu tun. Womit Du arbeitest ist im Endeffekt egal. Ich nutze dafür Wunderlist, weil es die Möglichkeit gibt Aufgaben für den aktuellen Tag auszuwählen und nur die anzuzeigen.

Ich habe für jeden Kurs, jeden Kunden, jedes Projekt, für Ideen und vieles weitere eigene Listen. Da kann ich alles eintragen um es nicht zu vergessen. Regelmäßig gehe ich die Aufgaben durch und schaue, was ich aktuell unbedingt erledigen muss. Und das mache ich dann auch. Andere Aufgaben, die mich weiterbringen, aber nicht wirklich dringend sind, erledige ich wenn Zeit dafür bleibt (darum die Boosterkarte oben).

Du solltest dabei versuchen wirklich nur die Aufgaben auf den aktuellen Tag zu legen, die Du auch wirklich schaffen kannst. Klappt bei mir auch nicht regelmäßig, aber es ist zumindest mein Anspruch. Wie viele es sind, hängt von Dir und den Aufgaben ab. Tim Ferriss nimmt sich 4-6 Aufgaben für den aktuellen Tag. Wenn er davon welche abarbeitet, füllt er sie am nächsten Tag wieder mit neuen Aufgaben auf.

Lern mit E-Mail umzugehen

Wenn Du nicht regelmäßig E-Mails schreibt, solltest unbedingt in den Workflow kommen. Richte Dir ein E-Mailclient auf Deinem Desktop ein. Es gibt zwar viele Kanäle wie Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. Geschäfte, Angebote und ähnliches werden aber in absehbarer Zeit über E-Mails gemacht. Die Kundenkorrespondenz läuft über dieses Medium.

Du solltest auch eine eigene Domain in der E-Mailadresse verwenden. Kunden und Supportanfragen können von überall kommen. Von einem Dienstleister erwarte ich aber professionelle Arbeitsweise. Und die strahlen E-Mailadressen von GMX, Web.de oder G-Mail nicht aus. Wenn Du ein Onlinebusiness betreibst, solltest sich damit auskennen.

Supportanfragen über Ticketsysteme

Wirklich gute Erfahrungen habe ich mit Ticketsystemen gemacht. Da gehen keine Kundenanfragen verloren und die gesamte Korrespondenz zu einem bestimmten Problem wird zentral gebündelt. Deshalb kann es hilfreich sein von Beginn an eine eigene E-Mailadresse für Kundensupport zu definieren. Das können zum Beispiel info@… oder support@… sein. Wenn Du loslegst, leitest Du die Mails zu Dir weiter. Später kannst Du, wenn die Idee abhebt und das Aufkommen größer wird, einfach auf ein Ticketsystem wie bspw. Zendesk umleiten.

Ein weiterer Vorteil hierbei ist, dass Du bereits im Vorfeld das Geschäft nicht zu sehr an Dich bindest. Da geht es weniger um den möglichen Verkauf einer Firma. Aktuell könnte ich mir persönlich das überhaupt nicht vorstellen. Dieses Projekt ist mein Baby und unverkäuflich. Du musst aber immer bedenken, dass Du vielleicht wachsen musst. Es kommen erste Mitarbeiter. Da ist es klug, wenn die Infrastruktur bereits dafür vorbereitet ist. Ein Punkt ist es eben, nicht überall Deine private E-Mailadresse einzugeben und zu veröffentlichen.

Mach Dich selbst entbehrlich

Das führt zum nächsten Punkt. Du solltest immer auch als Unternehmer denken. Wechsel hin und wieder in die Vogelperspektive. Als Gründer bist Du mit vielen Aufgaben gut ausgelastet. Deshalb begegnen Dir kleinteilige Aufgaben, Tag ein, Tag aus. Du darfst dabei aber den Blick für Dein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Ein optimaler Zeitpunkt für den Blickwechsel, ist das ordnen der Todoliste. Nutzt es wirklich Deinen Kunden? Muss das wirklich bereits jetzt umgesetzt werden? Bringt Dich diese Stunde Aufwand Deinem Ziel näher? So, oder so ähnlich, kannst Du Deine Einträge hinterfragen und filtern. Du musst ja nichts löschen, nur ggf. erst mal hinten anstellen.

Du musst Dich immer wieder neu erfinden

Tue mehr von dem, was funktioniert. Das könnte die Devise am Anfang sein. Und das ist natürlich auch gut. Reize die Möglichkeiten aus. Aber auch hier gilt es die Vogelperspektive als Unternehmer nicht zu vergessen. Du solltest Dich immer wieder neu erfinden. Versuch auch neue Wege zu gehen, sei es bei Angeboten, dem Marketing oder Deinem Privatleben. Schärfe Deinen Geschäftssinn und lass Chancen nicht einfach verstreichen. Das hilft Dir auf dem Weg in die Selbstständigkeit nur bedingt, sollte aber auf keinen Fall vergessen werden.

Der Wechsel in die Selbstständigkeit

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Quelle: fotolia.com

Wann ist also der richtige Zeitpunkt gekommen, um Dich selbstständig zu machen? Wann kündigst Du Deinen Job und stehst auf eigenen Füßen? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Allerdings habe ich ein paar zuverlässige Indikatoren, die Dir bei der Entscheidung helfen.

Es gibt keinen passenden Zeitpunkt

Den passenden Zeitpunkt gibt es einfach nicht. Du wirst nie morgens aufstehen und sagen „heute ist ein guter Tag zum kündigen“. Es ist immer traurig die Kollegen hinter sich zu lassen, ein komisches Gefühl aus der vermeintlichen Sicherheit des Hamsterrads auszusteigen und die Komfortzone zu verlassen. Du wirst automatisch mit Existenzängsten konfrontiert. Das sollte Dich aber nicht für immer davon abhalten, den Absprung zu wagen.

Aus schmerzlicher Erfahrung weiß ich, dass die Doppelbelastung aus der nebenberuflichen Tätigkeit irgendwann zu viel werden kann. Lass es gar nicht erst soweit kommen. Irgendwann kommen vielleicht noch weitere externe Probleme hinzu, die Du nicht unmittelbar kontrollieren kannst. Innerhalb kurzer Zeit kann alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen.

Der wohl wichtigste Faktor ist die Finanzierung Deiner Existenz.

Der finanzielle Aspekt ist wichtig

Wenn Du wirklich als digitaler Nomade durchstarten möchtest, solltest Du im besten Fall eine funktionierende Geschäftsidee haben. Vielleicht hast Du erste Kunden als Freelancer gefunden, schon Projekte, eBooks und Produkte, die regelmäßige Einnahmen generieren? Das verschafft Sicherheit und vermeidet einen Sprung ins kalte Wasser.

Das finanzielle Polster ist ebenfalls wichtig. Aber Du solltest Dich nicht nur darauf verlassen. Nur weil Du Dich drei bis sechs Monate ohne Einnahmen über Wasser halten kannst, bedeutet es nicht, dass Du in der Zeit als Einzelgänger die rettende Geschäftsidee findest. Gerade wenn Du nur auf dem deutschen Markt unterwegs bist, solltest Du den Markt nicht überschätzen. Bis sich ein nachhaltiges Geschäft entwickelt, kann durchaus längere Zeit vergehen.

Ich möchte damit keine Angst machen. Kündige nicht, weil Du gerade in der jetzigen Firma unzufrieden bist oder weil Dir Dein Job nicht mehr gefällt. Eine Kurzschlussreaktion ist nahezu nie wohl überlegt.

Verlass Dich auf Dein Gefühl

Beenden möchte ich diesen Ratgeber für den Start in das digitale Nomadentum mit dem Hinweis auf Dein Gefühl. Du wirst merken, wenn es soweit ist. Versprochen. Du arbeitest 8 Stunden täglich und in Dir wird das Gefühl stärker, dass Du eigentlich Geld und Chancen liegen lässt? Du hast Dir soviel aufgebaut, dass Du auch von den Einkünften leben kannst? Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wirst Du es Wissen. Verlass Dich auf Dein Gefühl!

 

Foto: Code by Michael Himbeault, used under CC BY / Original used as background

Kommentare (12)

  • Matthias

    2 Jahren ago

    Mega Artikel – super viele Infos und Anregungen! Danke dafür 😉
    Freue mich schon immer auf Deinen Newsletter und neue Blog-Beiträge!

    Beste Grüße

    • Jan Brinkmann

      2 Jahren ago

      Herzlich gern. Vielen Dank für den Kommentar! 🙂

  • EgoLuke

    2 Jahren ago

    Vielen Dank für diesen informativen Betrag. Habe es nicht bereut, dass ich über diese Seite gestolpert bin.

    Mach weiter so! ?

    • Jan Brinkmann

      2 Jahren ago

      Vielen herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar 🙂 Ich gebe mir Mühe!

      • EgoLuke

        2 Jahren ago

        Sorry nochmal wegen dem Rechtschreibfehler.

        • Jan Brinkmann

          2 Jahren ago

          Wir sind da nicht so. Ich hätte ihn nicht gesehen. Korrigier ich gern für Dich 😉

  • Daniel Hofer

    2 Jahren ago

    Sehr schöner Artikel Jan, vielen Dank!
    Du sprichst mir aus dem Herzen mit der Spezialisierung. Ich bin leider Generalist, ich interessiere mich für vieles, und als Trainer für Microsoft Office und VBA finde ich viele Sachen unglaublich spannend.
    Aber wenn ich die Verkaufszahlen meiner Bücher auf Amazon anschaue, dann ist VBA offensichtlich der Spitzenreiter. Vielleicht müsste ich in der Tat vermehrt auf dieses Pferd setzen.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz
    Daniel (aus der Udemy-Gruppe)

    • Jan Brinkmann

      2 Jahren ago

      Hey, vielen lieben Dank! Ja, hat vermutlich auch viel mit ausprobieren und die Zielgruppe kennenlernen zu tun. 🙂

  • Paula

    2 Jahren ago

    Guter Artikel, sehr umfassend. Der Ansatz mit der Leidenschaft vs. Interessen gefällt mir gut – wobei ich als Selbstständige sagen muss, dass allein das selbstständig sein schon einen enormen Push gibt und mich immer wieder begeistert.

    Werde den Artikel gezielt an ein paar Leute weitergeben, die genau so einen Anstoß brauchen 🙂

    • Jan Brinkmann

      2 Jahren ago

      Hey, ganz herzlichen Dank für das nette Feedback! Teilen ist natürlich immer mehr als willkommen. Sharing is caring 😉

  • Jan Suchotzki

    2 Jahren ago

    Hallo Jan,

    Super Artikel! Er destilliert viele umfangreiche Konzepte (die häufig nur in Englisch verfügbar sind) zusammen und ist eine super Grundlage! Danke!

    Hast du dir schon mal die Mini-Gewohnheiten von Steven Guise angeschaut? Die finde ich auch sehr hilfreich um bei den wirklich wichtigen Dingen am Ball zubleiben.

    Viele Grüße
    Jan

    • Jan Brinkmann

      2 Jahren ago

      Vielen Dank für das freundlich Feedback! Freut mich sehr 🙂

      Das Buch schaue ich mir über die Feiertage mal an! Ich glaube sehr stark an die Macht der Gewohnheit (und das nicht nur rein als Sprichwort). Das Buch „Habit“ – why we do what we do (oder ähnlich) fand ich unglaublich aufschlussreich.

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