Ganz ehrlich: Programmieren ist nicht kompliziert. Und trotzdem schaffen es 63% nicht über die ersten Hürden hinaus. Dabei ist Software logisch, folgt klaren Regeln und mathematischen Gesetzen. Jeder gesunde Mensch mit grundlegenden Fähigkeiten im Lesen, Rechnen und Schreiben kann es lernen. Ein Buch schreiben, Bilder malen oder andere kreative Herausforderungen sind deutlich schwerer. Und trotzdem scheitern viele immer wieder an vergleichbaren Stolpersteine. Hier habe ich sie aufgezählt.

1. Über die Sprache zu viel nachdenken

Ein großer Fehler ist direkt am Anfang zu lange über die erste Sprache nachzudenken. Klar, Du stehst am Anfang Deiner Laufbahn. Betrachte es wie Dating. Zusammen einen Kaffee trinken verpflichtet noch zu gar nichts. War die Zeit angenehm? Dann gibt es ein zweites Date. Man lernt sich kennen.

So ist das beim Programmieren auch. Du musst keine Sprache heiraten. Recherche ist gut und wichtig. Immerhin gibt es auch noch viele andere Fragen:

  • Was möchte ich eigentlich entwickeln?
  • Gibt es Sprachen die für Einsteiger weniger geeignet sind?
  • Welche Sprache ist für den gewünschten Bereich geeignet?
  • Funktioniert das auf meinem Betriebssystem
  • uvm.

Das sind sehr pragmatische Anforderungen. Die Krux dabei ist es nicht zu übertreiben. Veränderung beginnt immer jetzt, nicht erst morgen.

 

2. Zu schnell aufgeben

Viele Programmiersprachen bieten einen sehr ähnlichen Satz grundlegender Elemente. Du solltest auch deshalb nicht zu viel über die erste Sprache nachdenken, denn diese Grundlagen lernst Du in vielen Sprachen gleichermaßen gut.

Der Fehler an dieser Stelle: Du kaufst Dir z.B. ein Buch über Java. Das hat schnell 500 Seiten und mehr. Die ersten Kapitel werden bearbeitet. Sie sind aber nicht besonders spannend. Motivation sinkt und schließlich endet das Unterfangen Programmieren lernen.

In den ersten Kapiteln werden “nur” Grundlagen vermittelt. Aber genau damit fängt es an. Sie sind als stabiles Fundament enorm wichtig. Die großen und spannenden Herausforderungen, grafische Interfaces, interaktive Webseiten, tolle Apps oder Spiele, bauen alle darauf auf.

Wenn Du Programmieren möchtest, musst Du ein wenig Geduld mitbringen. Auch hier die Analogie zum Sport: Als ich vor 6-7 Jahren (wieder) mit dem Laufen begonnen habe, fehlte mir jegliche Kondition. Ich bin 300 Meter gelaufen, 300 gegangen. Dann bin ich irgendwann 400 gelaufen, 200 gegangen. Der erste Milestone war der gesamte Kilometer. Danach 5, dann 10. Und so weiter. Heute laufe ich Marathon!

 

3. Zu viele Informationen besorgen

Ich behaupte: es gibt zu beliebten Programmiersprachen auf Deutsch und Englisch mehr Material, als Du in einem Leben durcharbeiten kannst. Ein riesiger Fehler dabei: sich direkt von Anfang an zu überladen.

Ein Buch hier, eine Reihe kostenloser Tutorial dort, Blogartikel, Videos auf YouTube und Kurse auf DVD oder bei Udemy. 

Versteh mich nicht falsch. Ich lebe zum Teil von solchen Informationsprodukten. Gleichzeitig sollen sie aber genutzt werden. Du sollst etwas lernen. Es soll Dein Leben erleichtern.

Das dreht sich aber schnell ins Gegenteil. Wenn ein Berg mit Informationen auf Dich wartet schlägt es schnell in Frust um. Das Gefühl zu wenig Zeit zu haben macht sich breit (oder wird noch schlimmer). Du bist mit Material für Wochen und Monate überfordert. Irgendwann resignierst Du (und die Informationen verstauben).

 

4. Zu viel vornehmen

Ich entwickle jeden Tag Software. Es gibt mittlerweile kaum noch Tage wo ich gar keinen Code schreibe. Doch das war nicht immer so. Ich habe wirklich klein angefangen. Nebenbei! Einfach aus Spaß. Es hat sogar durch Computerspiele und die notwendigen (Linux)Server angefangen. Zwischendurch habe ich einfach notwendige Skripte und die Homepage von unserem Clan (Gruppe mit Computerspielern) entwickelt.

Und dabei habe ich viele Dinge ausprobiert. Es fühlte sich zu keinem Zeitpunkt wie eine Last an. Was ich sagen will:

  • Wenn Du mit dem Laufen anfängst, musst Du Kondition und Kraft Schritt für Schritt aufbauen.
  • Oder Kochen: Wenn Du Dich ab Morgen jeden Abend in die Küche stellst, hast Du nach 14-Tagen keine Lust mehr.
  • in der Schule: Du hast auch dort erst Buchstaben kennengelernt, danach die Wörter und Sätze.

Du darfst nicht ungeduldig sein. Bleib am Ball. Und gleichzeitig: Versuch langsam anzufangen.

Ein Kommentar

  • Daniel Bocksteger

    7 Monaten ago

    Danke für den tollen Beitrag! Besonders 3. und 4. sehe ich auch immer wieder u.a. bei unseren Praktikanten in der Firma. Die kopieren sich dann die fertigen Lösungen aus StackOverflow raus, oder schrieben diese (meist mit Fehlern) ab und verstehen diese überhaupt nicht. Anstatt sich mit den Grundlagen vertraut zu machen, werden lieber fertige Lösungen genommen, im Anschein, dass dies leichter zu verstehen wäre.

    Man muss aber dazu sagen, dass die Einstiegshürde je nach Sprache auch sehr variiert. Wenn ich (bspw. Java damals) erst noch alles mögliche Installieren und Pfade setzen muss, schaltet es bei vielen schon ab…

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